---De|En|Fr|It--
-
Deutsch|Hockey|Berichte 
-
Portal - -
-
Rugby - -
-
Hockey - -
-
Gemeinde - -
-
-
- - -
-
- - -
-
- - -
-
- - -
-
-iconiconAllgemeines      iconicon
------
-iconiconTurnierkalender      iconicon
------
-iconiconGeschichte      iconicon
------
-iconiconRegeln      iconicon
------
-iconiconAusrüstung      iconicon
------
-iconiconTraining+Spieltechnik      iconicon
------
iconiconiconBerichte      iconicon
------
-iconiconLinks      iconicon
------
-iconiconVideos      iconicon
------
-iconiconGalerie      iconicon
------
--------
DruckansichtDruckansicht

Letzte Änderung:
07.03.10/14:03


Skin:


User Online: 1
Visits: 4287
Re-Visits: 3167


Loginstatus :-( (53:33)
-
[Editiert durch Jan Carmanns 14:03 07.03.10]
[Editiert durch Jan Carmanns 22:10 05.03.10]

Zurück

Unterwasserhockeyturnier Maastricht 4. April 2004

Das Turnier in Maastricht war für uns in mancher Hinsicht ein ungewöhnliches Ereignis. Zunächst sind wir vollständig erschienen, das heißt alle 10 angemeldeten Spieler sind tatsächlich zum Turnier gekommen und wir waren zudem auch noch pünktlich. Meines Wissens ist das ein echtes Novum. Aber ich greife den Ereignissen voraus. Schließlich ist jede Anreise ein Abenteuer. In diesem Fall mussten Tatjana, Nora, Austin und ich zunächst nach Gießen gelangen. Da von uns vieren nur Tatjana über ein Auto verfügt, dieses aber nur begrenzt einsatzfähig und noch viel weniger zuverlässig ist, war klar: wir fahren mit der Bahn. Tatjana hatte die Verbindungen und Preise herausgesucht und so stimmten wir uns im Laufe der Freitagnacht demokratisch per Email, Telefon, SMS sowie persönlich ab. Kommunikation ist immer wieder faszinierend individuell und manchmal gelingt sie trotzdem. Wir entschieden uns für die preisgünstigste Variante, das Schöne-Wochenendticket, 7,50 EUR pro Person, gut sieben Stunden Fahrtzeit, fünfmal umsteigen.

Als ich pünktlich um 12:45 am Bahnhof eintraf musste ich zunächst feststellen, dass der ausgemachte Treffpunkt, der große Monitor in der Bahnhofshalle nicht mehr existierte. Dafür fand ich Austin, der sich über den Zeitpunkt unseres Zusammentreffens unsicher war und deswegen schon eine Stunde früher gekommen war. Umso mehr freute er sich endlich jemanden aus dem Team zu treffen. Bald kamen auch Nora und Tatjana und selbst der Kauf des Tickets ging schnell und reibungslos vonstatten. Bis Augsburg übten wir uns mit einem netten Spiel in Destruktivität: "Viele Köche verderben den Brei". Also versalzten wir einander Suppen und Speisen und ließen anbrennen, was dem würzenden Eifer entgangen war. So gelangen mir lediglich das "Kaffeewasser à la Bocuse" und die "Fastensuppe". Nora unsere angehende Veterinärin schaffte sowohl die Flugenten wie das Nilpferd in Burgundersauce. Tierärzte können wohl selbst noch in der Pfanne besser mit Viehzeug umgehen. Den ersten Aufenthalt in Augsburg nutze ich zu reichlicher Nahrungsbeschaffung im nahen Fuggercenter - kochen macht hungrig.

Bis Treuchtlingen wurde die Szenerie dann gewalttätiger. Mit Austin’s Spiel Lunchmoney erweiterte unseren englischen Wortschatz. Künftig können wir auch in der Gesellschaft von Zuhältern munter mit parlieren. Roundhouse, Pike and Poke in the eye sind uns jetzt ebenso vertraut wie Flick, Protection and Fake pass. Die anschließenden Doppelkopfspiele, die sich über Würzburg und Hanau bis nach Friedberg hinzogen, waren da eher die Rückkehr zur Normalität. Die letzten zwanzig Minuten bis Gießen wurde uns dann doch die Länge der Fahrt bewusst. Der Zug war voll und es war einfach Zeit anzukommen. Am Bahnhof in Gießen erwartete uns Jan, um uns mit dem Auto in die Ernst-Toller-Straße zu fahren, wo zeitgleich auch Alex und der große Tobi mit seiner Freundin Jeanine auf ihren Motorrädern eintrafen. Uta hatte schon alles vorbereitet und so konnten wir unser gemeinsames Turnier mit einem üppigen Spaghettiessen inklusive Wein und anschließendem Tiramisu feiern. Nebenher bastelten wir eine Mannschaftsaufstellung. Dann galt es Schlafplätze zu schaffen. Für Austin wurde das Sofa in der Küche umgebaut. Tatjana und Nora erhielten das große Doppelbett in Jans Zimmer und ich bekam eine Therma-Rest-Matte und die Ritze zwischen Bett und Computer, inklusive Zugriff auf die Comics-Sammlung.

Zum Frühstück erschien auch der Rest der Mitstreiter aus Gießen. Der große Tobi und der kleine Tobi kamen pünktlich. Alex musste wie gewohnt noch zweimal angerufen werden. Für die Fahrt hatte er dann ein Kissen mitgebracht, so dass er im Auto sofort weiter seiner Lieblingsbeschäftigung frönen konnte. Wir hatten aus München Weißwürste und Senf mitgebracht. Danach folgten Brot, Schinken, Toast und Nutella: alles was den Magen auf den Grund sinken lässt. Anschließend wurde noch das Material überprüft und jeder von uns Münchnern erhielt eine weiße Windel als Erkennungszeichen unter Wasser. Die Abfahrt erfolgte pünktlich. Jan fuhr das eine Auto, Uta als Copilot bediente den CD-Player (Harry Potter und der Feuerkelch, gelesen von Rufus Beck), Alex schlief rechts, ich hatte den Sitz hinter dem Fahrer und Nora wurde in die Mitte gequetscht. Der kleine Tobi fuhr das andere Auto mit Austin, Tatjana und dem großen Tobi. Hier wurde fleißig weiter Englisch gelernt. Auf der Lern-CD hatte Tobi eine hübsche Ballade: I will fuck you discreetly. . . - dies war zumindest die Zeile, an die sich Tatjana hinterher erinnerte. Und natürlich auch an das schicke, schwarze T-Shirt auf Tobis straffem Macholeib: Du bist Feministin? Wie niedlich! In Köln gab es eine kurze Pause am Hauptbahnhof, weil Claudia mit dem Zug aus Lüneburg hinzukam. Noch vor der Begrüßung des retlichen Teams traf sie auf Tatjana und die beiden verschwanden sofort gemeinsam discreetly. Die weitere Fahrt nach Maastricht verlief ohne Zwischenfälle und selbst das Schwimmbad wurde auf Anhieb gefunden.

Da rollten auch schon die "Geilen Mannen" aus Den Helder auf den Parkplatz und in der Eingangshalle trafen wir auf das Team Piranha aus Enschede, mit dem ich nach dem letzten Turnier in Den Haag zusammen in Leiden übernachtet hatte. Sie erhielten sofort eine Einladung zu unserem nächsten Turnier in München. Ebenso die Slowenen, die Belgier und das spanische Team aus Barcelona, das seinerseits vorbeikam um uns zu einem Turnier einzuladen. Wie üblich durften wir das erste Spiel bestreiten, in weiß, dass heißt mit Windel, und im tiefen Pool. Unsere Gegner aus Sedan ließen uns leider keine Chance (6:0) aber wir hatten Gelegenheit uns auf den sehr hektischen Rhythmus dieses Turniers einzustellen. Die Spiele dauerten jeweils nur acht Minuten, danach folgte eine Minute Pause und dann begann bereits das nächste Spiel. Diesen Rhythmus peitschten die Organisatoren bis zum Ende unerbittlich durch. Nach dem Spiel ging es für mich als Schiedsrichter weiter. Manchmal waren die Schiedsrichter noch nicht bereit, wenn bereits der Anpfiff ertönte und auch als Stürmer wurde man immer wieder vom Gong überrascht. Bei einem der letzten Spiele war ich als Schiedsrichter noch mit dem orangefarbenen Handschuh kämpfend gerade ins Wasser geglitten und noch vor einem zum Start aufgereihten Team auf dem Weg zu meiner Ausgangsposition als bereits der Anpfiff erfolgte. Abgesehen, davon dass man als Schiedsrichter ungern die Spieler eines Teams behindert, ist es nicht sehr angenehm untergepflügt zu werden.

Dann folgte bereits unser zweites Spiel gegen die Geilen Mannen. Keine Chance (3:0). Somit kamen wir in die Zwischenrunde, wo uns nach einer weiteren Niederlage gegen Lubljana (5:0) das Universitätsteam aus Enschede vor die Flinte kam. Ein harter Kampf, den wir diesmal im flachen Pool mit 3:2 für uns entscheiden konnten. Das wir gegen das Team aus Dordrecht nur 2:1 verloren machte uns Hoffnung, doch gegen unsere Gastgeber vom Verein Astacus gelang uns nur ein Ehrentreffer (4:1). Die anschließende 2:0 Niederlage gegen Barcelona - wie wir ein gemischtes Team - tat weh. Das hätte nicht sein müssen. In der dritten Runde gelangen uns jedoch noch zwei Siege, zum einen gegen das belgische Team aus Genk mit 2:0 und im letzten Spiel konnten wir uns erneut mit 2:1 gegen Piranha Enschede durchsetzen. Wir waren dabei bereits ziemlich erschöpft und nach einer 2:0 Führung drohte uns die Kraft auszugehen. Das Gegentor hatte ich noch zweimal von der Rinne kratzen können, bevor es uns doch noch ereilte. Der Abpfiff war eine laut bejubelte Erlösung. Unsern Gegnern - dem dritten gemischten Team bei diesem Turnier - ging es auch nicht besser. Nach neun Spielen ist die Luft raus. Dieses Turnier war zudem ungewöhnlich hart gewesen, vielleicht wegen der knappen Spielzeit. In Spiel gegen Dordrecht traf mich beim Anschwimmen der Puck mit großer Wucht an der Maske. Bei den Belgiern scheute man sich nicht, mich fest zu halten und vom Puck weg zu ziehen und als der kleine Tobi im gleichen Spiel auch ein bisschen härter aufwartete, verlor sein belgischer Gegenspieler die Fassung, beschimpfte erst Tobi, dann den Schiedsrichter, den er schließlich mit seiner Maske bewarf - eine etwas einseitige Auffassung von Fair Play. Austin blutete am Ellenbogen und Tatjana konnte ihre großartige Sammlung blauer Flecken um einige besonders prachtvolle und bunte Exemplare erweitern.

Das Duschen ist auf Holländischen Turnieren immer eine etwas heikle Angelegenheit. Nach etlichen Stunden im Chlorwasser würde man sich gerne gründlich Duschen. Es gibt aber nur eine gemeinsame Dusche und es ist nicht üblich sich dort auszuziehen. Manchmal kann man die Dusche mit dem eigenen Team überschwemmen und sich locker und nonchalant über lästige Konventionen hinwegsetzen, so etwa in Bussum letzten Sommer. In Den Haag war dies nicht möglich, weil die Dusche direkt am Pool war, eine Bühne mit dem ganzen Schwimmbad als Zuschauerraum. Hier in Maastricht gab es immerhin zwei Duschkabinen. Nach der kurzen Siegerehrung, die uns einen silbernen Pokal für den zweiten Platz im B-Pool bescherte, sollte es für die interessierten Teams noch ein gemeinsames Essen bei einem Griechen geben. Wir hatten leichtfertig zugesagt. Als wir dann auf dem Parkplatz eine halbe Stunde auf das Ende der Abbauarbeiten warten mussten, folgte die Reue. Wir vertrieben uns die Zeit mit kleinen demokratischen Übungen im Abstimmen über andere Möglichkeiten: nach Köln fahren und in der Altstadt essen, zu Hause in Gießen kochen. Nebenher gab’s ein gemeinsames Fotoshooting mit unseren slowenischen Freunden, wobei wir allerdings auf den kreisenden Grasgenuss verzichteten. Lubljana war mit nur einem Tor Rückstand unglücklich auf den zweiten Platz der Gesamtwertung gekommen. Schließlich setzte sich der Konvoi in Bewegung, aber nicht nach Maastricht, wie wir erwartet hatten. Stattdessen ging es fast eine halbe Stunde nach Norden, über die belgische Grenze und durchs Limburger Land nach Maasmechelen. Hier war der Grieche unserer Träume, oder besser unser nächster Wartesaal. Dafür wurden wir alle langsam aber sicher für nur 18 EUR satt. Tzazicki, Tintenfische, Sprotten, Fritten, Suflakis, Lammkoteletts und Salat strömten nach und nach über unseren Tisch, bis auch der letzte nicht mehr konnte. Dazu hatte es vorweg noch einen sehr schmackhaften Cocktail aus Maracujasaft und etwas Uzo mit viel Eis gegeben.

Als wir endlich aufbrachen war es schon nach 23:00. Jan wurde mal wieder zum Schlafwagenschaffner befördert. Er und Uta wechselten sich bei der Fahrt tapfer ab, während die Rückbank in selbstzufriedener Bewusstlosigkeit versank. Alex hatte sein Kopfkissen an der Seite. Ich hing schlafend, den Kopf durch die Fahrbewegungen sanft hin und herschaukelnd, im Sicherheitsgurt und Nora, die sich bald bis aufs Hemd ausgezogen hatte, klemmte in der Mitte, von beiden Seiten warm gehalten wie ein Küken im Brutschrank,. Da Tatjana von der Rückfahrt nichts zu berichten wusste, dürfte die Siegesfeier in Tobi’s Kutsche ähnlich aufregend verlaufen sein: nichts mit . . . discreetly. Gegen 2:00 waren wir in Gießen. Da wir Hinterbänkler ein wenig ausgeschlafen hatten, blieben wir bis 3:00 munter und nur Jan und Uta gingen direkt zu Bett, zumal Jan Montag früh arbeiten musste. Tatjana hatten wir zu Alex ausquartiert, der direkt gegenüber vom Bahnhof wohnt. So konnte sie »bequem« den 8:00 Zug nach München nehmen, ohne uns zu stören. Tja, die Arbeit. Ihren Schlafplatz bekam dafür Claudia. Mit Jan konnte ich dann gegen 8:30 noch zum Abschied einen Tee trinken. Das eigentliche Frühstück begann erst gegen 10:00 und zog sich unterbrochen durch nur fünfminütiges Packen sehr gemütlich bis gegen 13:00 hin. Uta und ihre Nachbarin Steffi hatten Schulferien und konnten es mit genießen. Gegen 13:00 brachte Uta uns dann zum Bahnhof, wo sich nach einem kurzen aber erfolgreichen Kampf mit den Automaten der Bahn - der Informatiker der das Interface entwickelt hat gehört gesteinigt, darin waren wir uns alle einig - unsere Wege trennten. Claudia hatte einen Zug nach Lüneburg um 13:04. Austin und Nora fuhren um 13:14 Richtung Frankfurt und München und ich hatte um 13:19 einen Zug durch das Lahntal nach Koblenz. Dort wollte ich den IC nach Bonn nehmen, lief aber einigen Veteranen der DLRG-Remagen, aus meinem alten Wettkampfteam in die Arme und landete zunächst im Schwimmbad Mühlheim-Kehrlich und dann zum Abendessen in Sinzig.

Es zeigt sich immer wieder, das Unterwasserhockeyturniere mit gemeinsamer Münchener und Giessener Beteiligung nicht nur sportliche Ereignisse sind, sondern mehr noch wichtige gesellschaftliche Anlässe. So wie Pferderennen in Ascot nicht einfach nur Pferderennen sind, aber bei uns ist das natürlich alles ein wenig familiärer, informeller, lustiger und regelmäßiger - in drei Wochen ist schließlich Deutsche Meisterschaft in München und im Juni unser Bier & Brezn-Pokal - und natürlich alles ohne Queen und Anstand.

-
- - - -
© UWSport 2018
- -
-
- -